Erfolgreiche digitale Transformation setzt die richtige Architektur voraus

Die digitale Transformation ist laut Fachpresse und diverser Studien in vollem Gange und in vielen Unternehmen bereits in der praktischen Umsetzung. Damit es nicht nur zu kurzfristigen Erfolgen kommt und Projekte aufgrund eines unüberschaubaren Umfangs und digitaler Überforderung der Mitarbeiter scheitern, wird eine solide Architektur benötigt: die Informationsarchitektur als Grundlage und Impulsgeber.

Als entscheidender Wettbewerbsfaktor und als Treiber von weiteren Schlüsseltechnologien verhilft die digitale Transformation den Unternehmen weitere Potenziale auszuschöpfen und sich aktuellen und künftigen Herausforderungen flexibel entgegenzustellen (Digitale Agenda Bund und Bayern, 2018). Des Weiteren ermöglich die digitale Transformation den Unternehmen ihre eigene Position weiter auszubauen, neue Märkte zu erschließen und sogar den Gewinn zu steigern (Arbeit 4.0 in Brandenburg, 2018). Dabei nimmt die Informationstechnologie (IT) die Funktion eines sogenannten “Enablers”, also Befähigers, wahr. 

Laut einer empirischen Studie von Crisp Research aus Kassel, die in der Computerwoche vorgestellt wurde, werden IT-Abteilungen zunehmend bedeutungsvoller, um im Digitalisierungsprozess neue Ideen und Impulse zu geben. Allerdings wird die IT-Abteilung nicht als diejenige Abteilung im Unternehmen gesehen, deren Kernkompetenz die digitale Transformation sei (CW, 2015). Dies ist in so fern nachvollziehbar, da die Transformation von Prozessen abteilungsübergreifend verwirklicht werden muss und dadurch eine enge Zusammenarbeit zwischen der IT und den Fachabteilungen erforderlich wird. Eine einseitige Umsetzung ist nicht zielführend und weniger hilfreich. Mitarbeiter in den Fachabteilungen können sich leicht digital überfordert und nicht abgeholt fühlen während sich Mitarbeiter in der Technik hingegen nicht verstanden fühlen. Die digitale Überforderung ist dabei in der Privatwirtschaft aufgrund des dort vorherrschenden Drucks höher als in der öffentlichen Verwaltung (Digitale Überforderung im Arbeitsalltag, 2016). Wie kann also ein Digitalisierungsprozess effektiv gestaltet werden?

Zur Vermeidung einer digitalen Überforderung ist es erforderlich, dass die Mitarbeiter im Unternehmen einen klaren Rahmen und Unterstützung im Digistalisierungprozess erhalten. Der klare Rahmen definiert dabei den sogenannten Scope, um Schritt für Schritt die digitale Transformation umzusetzen. Die Unterstützung erhalten die Mitarbeiter dabei sowohl vom Management, als auch von den beteiligten Kollegen in der IT und in den Fachabteilungen. Gemeinsam gilt es die Anforderungen an die digitale Transformation aufzunehmen, diese zu planen und zu prioriseren. 

Auf dieser Grundlage kann die Art und Weise der Beschaffenheit, also die Architektur, des Digitalisierungssystems bestimmt werden. Ist die Entscheidung für eine solide Architektur gefallen, kann nach deren Vorgaben eine schrittweise Umsetzung erfolgen. 

Im Rahmen der IT sind hierbei verschiedene technische Architekturen zu berücksichten, wie beispielsweise die Systemarchitektur (Rechenzentrum, verteilte Entwicklungs-, Test,- und Produktionsumgebungen, etc.), die Softwarearchitektur (Frontend/Backend, Replikation, verteilte Persistierung, verteiltes Logging, Security, u.v.m.), die Netzwerkarchitektur (Skalierung, Replikation, Security, etc.), die Schnittstellenarchitektur und nicht zuletzt die Cloud-Architektur. Bei der Softwareentwicklung ist noch zu beachten, ob eine monolithische Architektur oder eine Architektur auf Basis von Microservices aufgebaut wird. Während ersteres eine Menge an bekannten Nachteilen mit sich bringt (z.B. steigt die Gesamtkomplexität der Anwendung mit der Zeit, steigende Aufwände und Kosten in der Skalierung, mit der Zeit abnehmende Releasezyklen und erhöhte Dauer für Wartungsarbeiten usw.), geht der Trend zu Microservices über (Microservices, 2019). Bei Microservices handelt es sich um lose gekoppelte Services (ein Set von autarken Softwarefunktionen), die untereinander kollaborieren und die über ihre eigene Datenbasis verfügen. Besondere Herausforderungen beim Aufbau von Microservices sind unter anderem die Projektkommunikation und –koordination zwischen den Entwicklerteams und den Fachabteilungen. Eine mögliche Einteilung der sogenannten Service-Architektur kann nach Geschäftsprozessen (Neukundenanlage, Produktpflege, etc.), nach Fachgebieten/-abteilungen/-domänen, oder nach sog. Domain-Driven-Design (Einkauf, Verkauf, Beschwerdemanagement, Logistik, etc.) erfolgen. Welche technische Architektur ist also im Digitalisierungsprozess besonders zu berücksichtigen?

Im Kontext der digitalen Transformation und der engen Zusammenarbeit der verschiedenen Fachabteilungen ist jedoch die Informationsarchitektur von besonderem Interesse. Die Informationsarchitektur beschreibt dabei als eine Art “Hilfsarchitektur” nicht nur den Fluss der Daten und Informationen über Organisationseinheiten, Prozesse und IT-Komponenten hinweg, sondern gibt auch den nötigen Rahmen, den sogenannten Scope vor, in dem sich die digitale Transformation abspielt. Als Scope kann dabei wahlweise eine Abteilung (Organisationseinheit), ein relativ wichtiger Prozess oder ein kritisches IT-System (IT-Service) herangezogen werden.  

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Abbildung 1: Informationsarchitektur

Mit Hilfe der Zusammenhänge in der Informationsarchitektur ist es möglich, weitere Anforderungen abzuleiten und diese im Digitalisierungsprozess zu berücksichtigen. An zentraler Stelle ist der Schutzbedarf von Informationen verankert. Je nachdem, in welchen IT-Systemen schutzbedürftige Daten und Informationen verarbeitet werden, lässt sich der Schutzbedarf auf IT-Anwendungen und Prozesse vererben. Umgekehrt lässt sich der Schutzbedarf aber auch von kritischen Prozessen auf die IT-Systeme vererben. 

Auf der Ebene der IT-Assets (IT-Infrastrukturkomponenten) werden die Maßnahmen des IT-Grundschutzes (BSI, 2019) umgesetzt, um eine grundlegende Informationssicherheit im Unternehmen zu gewährleisten. Hierbei können IT-Grundschutz-Profile (Branchen- oder Nutzerkreisspezifische Schablonen für Informationssicherheit) hilfreich sein. Mit vordefinierten Profilen wird zum einen die Komplexität für die Anwender reduziert. Zum Anderen können sich die Anwender ganz auf die Umsetzung der Maßnahmen und der Ermittlung von Defiziten konzentrieren (Klein & Stanik, 2018:40ff).

Auf der Organisations- und Prozessebene entstehen je nach Anforderungen an die digitale Transformation Maßnahmen zur Optimierung von Prozessen und der Organisationsgestaltung.   

Für die Mitarbeiter im Unternehmen kann die Informationsarchitektur als eine Art “Big Picture” angesehen werden, mit deren Hilfe die Zusammenhänge leichter erfasst, beschrieben und umgesetzt werden können. Auch die Einbindung von Dienstleistern, z.B. Cloudanbieter, kann in die Informationsarchitektur mit berücksichtigt werden, in dem diese mit den eigenen Prozessen und Organisationseinheiten verknüpft werden. Auf Basis der Informationsarchitektur können somit weitere technische Anforderungen ermittelt und architektonisch umgesetzt werden.

Fazit

Die digitale Transformation ist bereits in vielen Unternehmen angelaufen und wird als entscheidender Wettbewerbsfaktor angesehen. Bei der Umsetzung der digitalen Transformation ist innerhalb der Unternehmen eine enge Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen der IT und den Fachabteilungen notwendig. Aber auch zwischen kooperierenden Unternehmen muss eine enge Zusammenarbeit im Digitalisierungsprozess erfolgen. Die IT wird dabei in beiden Fällen als Enabler und Impulsgeber gesehen. Damit die Akteure, also die Mitarbeiter, im Digitalisierungsprozess keine digitale Überforderung erleiden und digitale Transformationsprojekte nicht scheitern, sollte sich im Vorfeld Gedanken über den Rahmen der Projekte, die technischen Anforderungen und die Informationssicherheit gemacht werden. Als Grundlage hilft die Informationsarchitektur, aus der sich je nach Anforderungen weitere Abbildungsmöglichkeiten ableiten lassen.

Autor: M. Tarek Gerdewal | Mai 2019 | Dr. Gerdewal Consulting | Bonn

Literatur

Arbeit 4.0 in Brandenburg (2018): Studie Arbeit 4.0 in Brandenburg, Internet: https://arbeit.wfbb.de/de/ZAB-Arbeit/Downloadcenter, abgerufen am 27.01.2019

BSI (2019): IT-Grundschutz, Internet: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/ITGrundschutz/itgrundschutz_node.html, abgerufen am 27.01.2019 

Klein, B. & Stanik, A. (2018): BSI-Magazin, 2018: Mit Sicherheit, Internet: https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/Publikationen/Magazin/BSI-Magazin_2018_02.pdf?__blob=publicationFile&v=7, S. 40ff., abgerufen am 27.01.2019

CW (2015): Computerwoche. Internet: https://www.computerwoche.de/a/it-abteilungen-sind-die-treiber-der-digitalisierung,3094502,2, abgerufen am: 27.01.2019

Digitale Überforderung im Arbeitsalltag (2016): Internet: https://www.soprasteria.de/newsroom/publikationen/studie/digitale-ueberforderung-im-arbeitsalltag, abgerufen am 27.01.2019

Digitale Agenda Bund und Bayer (2018): Internet: https://www.vbw-bayern.de/vbw/Aktionsfelder/Innovation-F-T/Forschung-und-Technologie/Digitale-Agenda-Bund-und-Bayern-3.jsp, abgerufen am 27.01.2019

Microservices, 2019: Internet: http://microservices.io/patterns/microservices.html, abgerufen am 27.01.2019

März 1, 2019

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